

























11.05.2019, Performance zur Eröffnung des Qartierbüros, Hindenburgstraße
Projektleitung:Laura Heyer, Michelle Skropke
Beteiligte Person/en (mit Rollen) : Performance Team 2019
Kooperationspartner: Frank Jessen, Stephan Sturm (Quartiersbüro)
Was braucht die freie Kulturszene? Freiraum! Und damit ist nicht nur eine Erlaubnis oder Duldung gemeint, sondern hauptsächlich Räume, Lokalitäten, die nutzbar sind oder nutzbar gemacht werden. Das ist kein Geheimnis. Selbst im integrierten Handlungskonzept der Stadt Mönchengladbach steht schwarz auf weiß, dass es der freien Szene an nutzbaren Räumlichkeiten fehlt. Eine Lösung dafür ist bisher allerdings noch nicht verfasst worden. Als das Quartiersbüro eröffnet wurde und der Wunsch nach Integration von ortsansässigen Akteuren, Vereinen, Initiativen etc. anscheinend endlich gehört und ernst genommen wurde, nahmen wir die Gelegenheit, um genau das anzusprechen. Während an vielen Stellen immer noch diskutiert, überlegt und gezweifelt wurde, nutzten wir die Gelegenheit und packten es einfach an: Wir bauten einen „Freiraum“. Und zwar direkt vor den Augen des Oberbürgermeisters. Diesmal brauchten wir nämlich keine Genehmigung, mussten keine Konzepte schreiben, Ämter besuchen, Nachweise vorzeigen oder uns mit Leuten aus der Verwaltung herumschlagen, denn schließlich wurden wir ja eingeladen. Naja, gut. Das mit der Genehmigung war so eine Sache. Aber die holten wir uns einfach vor Ort ein. Wie praktisch.
So war unser Ziel unterschwellig, eine Performance durchzuführen, die auf den ersten Blick nicht wie eine Performance aussieht, sondern wie eine städtische Baumaßnahme. Es sollte ein Raum mit den Maßen 1,5 x 1,5 x1,5m gebaut werden, welcher dann direkt vor dem Quartiersbüro mitten auf der Einkaufsstraße, die sich vor allem durch den vielen Leerstand kennzeichnet, platziert werden sollte. In diesem Raum sollte künstlerischer Freiraum ermöglicht werden, auch wenn es möglicherweise etwas eng werden könnte.
Die PerformerInnen verkleideten sich als BauarbeiterInnen, sperrten fachgerecht die Baustelle ab und lieferten dann die Baumaterialien an. Dabei wurden sie dem Bauarbeiter-Stigma gerecht. Raue Worte, Bier, Diskussionen. Natürlich sollte damit nicht ausgedrückt werden, dass alle BauarbeiterInnen primitiv und rau sind. Es sollte ein Kontrast geschaffen werden zu den sonst anwesenden Gästen. Als alle Baumaterialien angeliefert wurden, stellte der Bauleiter fest, dass noch keine Genehmigung eingeholt wurde. Daraufhin wurden „Baugenehmigungen“ an die Gäste verteilt, die sie unterzeichnen sollten.
Nachdem sogar der Oberbürgermeister die „Baugenehmigung“ gleich zwei Mal unterschrieben hatte, weil die erste vom Wind davon geweht wurde, konnte der Bau des „Freiraums“ beginnen. Im Laufe der Zeit stellten immer mehr Passanten Fragen. Die Antwort „ Wir bauen hier Freiraum!“ gefiel vielen Menschen. Ihnen fielen sogar noch einige andere Dinge ein, die in der Stadt verbessert werden könnten.
Nachdem der Freiraum erbaut wurde, wenn auch krumm und schief, verließen die „BauarbeiterInnen“ die Baustelle und nahmen alle Werkzeuge mit. Ein wenig später kamen die PerformerInnen zurück und begannen, den Freiraum zu nutzen, darin zu malen, zu jonglieren und zu musizieren. Passanten gesellten sich hinzu. Der Raum blieb den ganzen Tag an Ort und Stelle und wurde den ganzen Tag von Passanten genutzt.